Geschichte Röttenbachs

Wappen an der Brauerei Sauer und Gemeindewappen

Erfahren Sie hier etwas über die Geschichte und die Entwicklung Röttenbachs.

Die Chronik und die Sagen stammen aus einer Veröffentlichung, die 1963 unter der Leitung von Herrn Konrektor Wiedl von Schülern unserer Volksschule zusammengetragen wurde. 1980 wurde die Chronik im Zuge einer Neuauflage anlässlich der Erweiterung des Kindergartengebäudes überarbeitet.

Entstehung
Röttenbach 1600

Wohl um das Jahr 1000 kamen Siedler auf der Suche nach Land in die waldreiche, hügelige Landschaft, welche die Ausläufer des Steigerwaldes bildet. Sie fanden einen Bach, rodeten Teile des Waldes = Rodenbach = Röttenbach und machten das Land urbar. Weite Sumpfgebiete, die auf den undurchlässigen Lettenschichten der Keuperstufe ruhten, ließen nur wenig ertragreiche Landwirtschaft zu. Die Leute blieben ärmlich. Im Laufe der Jahrhunderte kultivierten sie die "nutzlosen" Sümpfe, es entstanden die vielen Weiherketten, die wie Perlen aneinandergereiht die Wälder aufteilten und von Norden, Osten und Westen dem Dorf Röttenbach zustreben und es zum Teil noch heute durchziehen. Lange Zeit wurde niemand auf die Gegend und auf die kleine Siedlung aufmerksam.

Im 13.Jahrhundert nahm eine Linie der Truchseß von Pommersfelden, sie nannte sich Truchseß von Röttenbach, das Gebiet in Besitz und gründete Röttenbach. Aus Verkaufsurkunden erfahren wir, daß Höfe und Güter an Grundherren aufgeteilt wurden und mehrmals ihre Besitzer wechselten. 1322 ging ein Gut an den Abt von Kloster Michaelsberg, 1329 ein anderes an den Amtmann auf der Nürnberger Burg. 1476 veräußerte das Bamberger Kloster seinen Hof an Christof Truchseß in Röttenbach.

Der Haupthof des Ortes, aus dem das spätere Rittergut entstand, ist erstmals 1433 in einem Bamberger Lehenbrief für Peter und Veit Truchseß erwähnt. Auf diesem Hof, heute Brauerei Sauer mit Umgebung, entstand ein Schloß, das mit einem Wassergraben gesichert war. Trotzdem brannten aufständische Bauern im Bauernkrieg 1525 das Schloß nieder. Das Wohnhaus, später aus Sandsteinquadern neu errichtet, blieb bis heute erhalten, ebenso wie ein fein aus Sandstein herausgearbeitetes Wappen aus dem Jahre 1591 an der Südwand der Brauerei (Bild rechts). Umwelteinflüsse setzen ihm allerdings schwer zu. Ein Rest des Wassergrabens, der noch in den 60er Jahren zu sehen war, wurde leider aufgeschüttet. Die ehemaligen kleinen Wirtschaftsgebäude an der Schloßgrabenstraße, früher "Judengasse", wandelten ihre Erwerber in Wohngebäude um. 1610 wurde der Besitz an die mit dem Truchseß verschwägerten Marschälle von Pappenheim verpfändet. Er fiel 1710 an das Hochstift Bamberg. Teile der Güter und der Menschen gehörten der Reichsstadt Nürnberg und den Freiherren Winkler von Mohrenfels. In der Napoleonischen Zeit wurde Röttenbach 1803 der Krone Preußens zugesprochen, fiel aber schon 1810 wie ganz Franken nur widerwillig an das Königreich Bayern.

Im 19.Jahrhundert erbauten die Dörfler ihre geduckten Bauernhäuser aus hiesigem Sandstein im fränkischen Fachwerkstil. Um die Häuser lagen die Bauernhöfe und -gärten, auch die Hofwiesen mit den Obstbäumen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts blieben die meisten Bewohner (sehr) arm. Als Tagelöhner lebten sie von der Hand in den Mund. Dürftiges Zubrot brachte das Sammeln von Pilzen und Beeren, von "Butzeln" (Kiefernzapfen), sowie von Seerosen und Sonnentau. Zusammen mit den selbstgefertigten Reisigbesen brachten die Röttenbacher diese Naturprodukte auf ihren Schubkarren nach Erlangen und "verhandelten" die Ware dort. Andere fuhren mit der Eisenbahn durch Süddeutschland, in die Schweiz und nach Österreich und vertrieben den "Kren". Der angeborene Händlersinn vererbte sich auf die Nachkommen und stellte in den schweren Jahren nach dem 2. Weltkrieg die Grundlage für einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufstieg dar. Die zwar anheimelnden, aber doch unbequemen Bauernhäuser verschwanden Zug um Zug und wurden leider durch moderne Wohnhäuser ersetzt. Geblieben sind an kunsthistorisch wertvollen Gebäuden nur das barocke Forsthaus mit Fachwerkscheune und -schuppen und das ebenfalls im barocken Stil geschaffene Pfarrhaus.

Im Jahr 1972 kam die Gemeinde Röttenbach im Zuge der Gebietsreform von Oberfranken nach Mittelfranken. Dorthin floß schon immer der Röttenbach und dorthin strömten auch die Röttenbacher. Nunmehr zog es in einem Gegenstrom immer mehr Neubürger aus der Industrieregion Erlangen-Nürnberg-Fürth in das damals noch beschauliche Dorf. Röttenbach wuchs und wuchs und nahm seine heutige Gestalt an.

1980 wurde die kurze Zwangsverwaltungsgemeinschaft mit Hemhofen aufgelöst. Mit Ochsenbraten und Freibier wurde die wiedergewonnene Selbständigkeit zünftig gefeiert.

Erwin Holzmann

Chronik Röttenbachs

Röttenbach soll der Sage nach von drei Baiersdorfer Schustern gegründet worden sein.

Jahr Begebenheit
Anfang des 13. Jh. Die Truchsessen von Pommersfelden erwerben Röttenbach
1421 Röttenbach erstmals als selbständige Seelsorgestelle urkundlich genannt
15. Mai 1525 Das Schloss der Truchsessen von Pommersfelden in Röttenbach wird im Bauernkrieg durch Röttenbacher und Höchstadter Bauern geplündert und zerstört. Das Schloss war nur eine kleine Anlage, bestehend aus Wohngebäude, Bergfried und Pferdestall. Es stand an der Stelle des heutigen Anwesens Kästner; der Schlossplatz war der heutige hintere Hofraum der Brauerei Sauer.
1543 Johannes Schnell wirkt als erster namentlich nachweisbarer Pfarrer in Röttenbach
vor 1560 Röttenbach besitzt bereits eine Schule
1560 bis 1628 In dieser Zeit ist die Kirche in Röttenbach protestantisch, nachdem Philipp Truchsess von Pommersfelden den evangelischen Glauben eingeführt und evangelische Pfarrer eingesetzt hatte.
1565 Hans Maul wird Kirchdiener und Schulmeister
1615 "Dorff-Ordtnung zu Röttenbach, Anno 1615 Aufgericht" tritt in Kraft
1628 Fürstbischof Georg II. Fuchs von Dornheim verdrängt die evangelischen Pfarrer aus Röttenbach. Die Pfarrei Röttenbach wird mit Heroldsbach und Hausen vereinigt. Der in Hausen wohnende katholische Pfarrer übernimmt die Seelsorge in Röttenbach. 
1632 Plünderungen Röttenbachs im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) durch die Schweden. 
1655 Philipp Johann von Jöstelsberg erhält auf dem Reichstag zu Regensburg das Patronatsrecht über die Röttenbacher Kirche und Schule. 
1725  Freiherr von Jöstelsberg verkauft den "Bertels- und Weißen Hoff" zu Röttenbach an Freiherr Winkler von Mohrenfels in Hemhofen. 
1728 Freiherr Winkler von Mohrenfels gründet in Hemhofen eine nicht-katholische Schule. Das Ordinariat wirft den Pfarrer von Hausen darauf Mangel an Energie gegen Winkler von Mohrenfels vor.
Diese Schule wird 1729 wieder aufgelöst.
Hemhofen wird unter den Herren Winkler von Mohrenfels nach und nach protestantisch, aber erst 1818 wird die evangelisch lutherische Pfarrei Hemhofen errichtet. 
1742 Röttenbach fällt an den Bischof zurück.
1756  Röttenbach wird wieder selbständige Pfarrei. 
1799 - 1800  Bau des Pfarrhauses
1803 - 1806      Röttenbach kommt unter preußische Verwaltung. Im Zuge der Säkularisation wird der Kirchenbesitz verstaatlicht. 
1806 - 1810 Röttenbach steht unter französischer Militärverwaltung. 
1810 Röttenbach kommt endgültig zu Bayern. 
1812 Das Dorf Röttenbach mit der Einöde Weihermühle und dem Weiher Reuendorf wird eine Gemeinde Röttenbach. 
1. August 1818  Die evangelisch lutherische Kirchengemeinde Hemhofen wird errichtet. 
1844 - 1850  Die alte Kirche wird - außer dem Kirchturm - abgerissen und die neue Kirche gebaut.
1869  Röttenbach und Hemhofen sollen vereinigt werden. Es kommt aber nicht dazu. 
1904  Neubau der Schule 
1929 Bau des Caritasheimes mit Kindergarten, der 1974 und 1981 erweitert wurde. 
15. April 1945  Die Amerikaner besetzen nach dem zweiten Weltkrieg Röttenbach. 
1958  Erweiterung des Schulhauses von 1904 der dann weitere Erweiterungen 1964/65 (Turnhalle), 1970/72 und 1980 folgten. 
25. August 1976  Einweihung der neuen Straße von Röttenbach nach Baiersdorf. 
1. Mai 1978 Die Bayerische Gemeindegebietsreform führt Röttenbach in eine Verwaltungsgemeinschaft mit Hemhofen. Im Zuge der Reform der Reform wird die VG jedoch schon zum 1. Januar 1980 wieder aufgelöst. 
1980 - 1981 Neubau der Mehrzweckhalle am Sportgelände und des Pfarrheims.
Pfarrei

Die Geschichte des Ortes läßt sich nicht von der Kirche und der Pfarrei trennen. Die Truchseß von Pommersfelden gründeten gleichzeitig mit dem Erwerb des Ortes auch die Pfarrei und wählten St. Mauritius zum Patron für die Kirche aus. Schon 1421 wird in der Pfarrchronik zitiert: "Plebanus" (Pfarrer) in Röttenbach.

Um 1560 traten die Grundherren zur neuen Glaubenslehre über, mit ihnen wurde auch die Bevölkerung "protestantisch". Bis zum Jahre 1628 blieb der Ort lutherisch. In Folge verdrängte der Bischof von Bamberg die lutherischen Geistlichen. Trotz der Beschwerden der Herren von Jäbstelberg, die inzwischen durch Heirat in den Besitz des adeligen Rittergutes gekommen waren, blieben die Röttenbacher katholisch.

Das Pfarrkirchlein geriet in dieser Zeit in Ruin, weil die zumeist armen Gütler zu wenig dafür stifteten. Es konnte auch nicht mehr die wachsende Zahl der Gläubigen fassen. Sonderbarerweise suchte man diesen Mangel dadurch zu beheben, daß man 1814 auf den Turm ein Stockwerk aufsetzte. Der Neubau der Kirche war nicht mehr zu umgehen. In jahrelangen Verhandlungen mit dem Staat – der bayerische Kurfürst hatte sich infolge der Säkularisation verpflichtet, die kirchlichen Bauten zu unterhalten – gelang es, den Bau und seine Finanzierung durchzusetzen. Eine vom Allergnädigsten König in Bayern bewilligte Kollekte für den Kirchenbau in Röttenbach erbrachte im Land eintausendachthundert- achtundneunzig Gulden und sieben Kreuzer.Bild des Hochaltars

Der Staat nahm wesentlichen Einfluß auf den Plan, der durch die Hände von Staatsbaumeister von Klenze ging. Er wählte den Basilikastil. 1844 riß man das alte Kirchlein ab, der Turm blieb stehen. Sechs Jahre lang werkelten die Bauherren an der neuen Kirche herum. Der sumpfige Untergrund verlangte einen Pfahlrost aus 87 Pfählen und 48 Pfahlschuhen.

Die 1850 fertig gewordene Kirche wies von Anfang an Schäden auf, die heute noch zu spüren sind. Der damalige Pfarrer ließ sich enttäuscht ob des gräßlichen Baues versetzen, der Bischof verweigerte die Konsekration. Das triste Gotteshaus erhielt bald darauf ein kunsthistorisch wertvolles, aber verkanntes Geschenk. Adam Schön, ein in Freising ansässig gewordener Röttenbacher, stieß als Spediteur in einem Magazin auf drei überlebensgroße Holzfiguren, dachte an seine Heimatkirche, kaufte sie und ließ sie 1864 mit der Bahn nach Erlangen bringen. Von dort wurden sie mit drei Fuhrwerken abgeholt. Nachdem ein Maurergeselle sie überkalkt hatte, wurden sie über dem Hochaltar angebracht. Erst später stellte sich heraus, daß es sich bei den Holzfiguren, die Petrus, Paulus und den Erzengel Michael darstellen, um Plastiken des berühmten Barockkünstlers Ignaz Günther handelte.

Erst 1950, also 100 Jahre nach der Fertigstellung, konsekrierte Erzbischof Dr. Otto Kolb das Gotteshaus, das noch während der Kriegsjahre generalsaniert worden war. Von 1982 bis 1984 erhielt es sein heutiges Erscheinungsbild. Die Arbeiten konnten nur deshalb durchgeführt werden, weil die Kirchengemeinde im 1981 fertiggestellten Pfarrheim für die Zeit der Kirchensanierung eine Bleibe für die Gottesdienste gefunden hatte.

Erwin Holzmann

Das Marterl
Das Marterl

Odyssee einer Marter

Seit dem 16. Jahrhundert stand die Marter im Garten der Familie Bräun (Gasthaus und Bäckerei) in der Ringstraße als stummes Mahnmal. 1968 mußte sie wegen des Baues der Kanalisation weichen. Zusammen mit dem ,,Betenden Soldaten" vom Kriegerdenkmal lagerte sie die Gemeinde neben dem alten Schulhaus, damals Gemeindekanzlei. Auf bis heute nicht geklärte Weise - ob Leihgabe oder Schenkung - gelangte sie in die Hände des Schloßherrn von Hemhofen, der sie in seinem Schloßhof in Hemhofen aufstellte. Alle Bitten um Rückgabe blieben ungehört. Sohn Heiko Winkler von Mohrenfels bestand auf dem rechtmäßigen Besitz. Marterl

In einer Nacht- und Nebelaktion kurz vor Silvester 1987 holten vier Röttenbacher Gemeinderäte sie in ihren Heimatort zurück. Natürlich mußte diese ,,Tat" verurteilt werden. Der Richter konnte sich aber nicht dazu durchringen, die Marter wieder an ihrem ureigensten Standort aufrichten zu lassen. Oberste Denkmalpfleger rieten dazu. Nach langem Hin und Her landete sie auf Wunsch des Hemhofener Schloßherrn im Freilandmuseum in Bad Windsheim. Stumm harrt sie dort künftigen Zeiten entgegen.

,,Marter aus dem 16. Jahrhundert aus Röttenbach" verkündet die Sockelinschrift.

Erwin Holzmann

Das Röttenbacher Heimatlied

1. Röttenbach du liegst im schönen Frankenland
wer dich kennt der ist von deinem Reiz gebannt.
Große Wälder rahmen deine Weiherketten ein,
Hier kann jeder leben und zufrieden sein.
Hier kann jeder leben und zufrieden sein.

2. Wo am Waldesrand so gelb der Ginster blüht,
Unsre Ahnen haben sich damit gemüht,
Ihre Besen machten Röttenbach bekannt.
Besendinder heißen wir in Stadt und Land
Besendinder heißen wir in Stadt und Land

3. Röttenbacher zogen immer in die Welt,
volle Huckelkörbe machten sie zu Geld
Früher waren's Weiherhenkeli und Kre,
heut sind's Gartenblumen und Gesundheitstee,
heut sind's Gartenblumen und Gesundheitstee.

4. Heutzutag ist Röttenbach ein stolzer Ort,
wer hier länger lebte zog nur ungern fort.
Viele Neue bauten sich hierher ihr Haus,
sie zog aus der engen Stadt zu uns heraus,
sie zog aus der engen Stadt zu uns heraus

5. In die Zukunft wollen wir gemeinsam geh'n,
als Nachbar und Freunde fest zusammen steh
Jeder fühle sich hier wohl von groß bis klein,
Röttenbach kann jedem teure Heimat sein,
Röttenbach kann jedem teure Heimat sein.

Text Erwin Holzmann - 1979 zum fünfzigsten Kindergartenjubiläum
Melodie Oberfrankenlied

 

Geschichte von Röttenbach (ca. 1984)

Geschichte von Röttenbach von ca. 1984.
Verfasser leider unbekannt.

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Aus dem Sagenbuch

Das versunkene Schloss

Nach einer alten Prophezeihung aber sollte das Schloss samt seinen Bewohnern vernichtet werden, wenn diese nicht vor 12 Uhr in der Nacht ins Schloss zurückgekehrt seien. Darum gingen die Schwestern auch an diesen Tagen stets so früh weg, dass sie vor Mitternacht im Schlosse waren. Keine Bitten der Dorfburschen vermochten sie zurückzuhalten.

An einem solchen Kirchweihtag geschah es. Da gefiel den Burschen das Tanzen mit den hübschen Mädchen aus dem Schloss so sehr, dass sie die Uhr in der Wirtsstube um eine volle Stunde zurückdrehten, nur um die Mädchen länger auf dem Tanzboden zurückhalten zu können. Und wirklich, der Betrug gelang.

Die Mädchen verabschiedeten sich erst, als es auf dieser Uhr in der Wirtsstube kurz vor 12 Uhr war. Schnell eilten die drei den Mühlberg hinauf. Als sie durch das Tor ihres Schlosses schritten, schlug die Uhr am Schlossturm 1 Uhr.
Die Mädchen erstarrten vor Schreck. Denn gleichzeitig mit dem Schlag der Uhr erbebte der Boden, und das Schloss begann mit ihnen in die Erde zu sinken.

Die Röttenbacher schauten sich am nächsten Morgen die Augen vergeblich aus. Sie konnten von dem schönen Schloss keinen Stein mehr erblicken.

Nur beim Graben von Brunnen stößt man heute noch manchmal auf Gänge und Hohlräume im Berg.

Der junge Priester und der Versucher

Vor langer Zeit lebte in Röttenbach ein braver Mann mit seiner Frau. Sie wünschten sich von Herzen ein Kind. Dieser Wunsch ging ihnen aber nicht in Erfüllung.
Da klopfte eines Abends ein fremder Jäger mit einem giftgrünen Hütchen mit langer, spitzer Feder an ihre Tür und bat sie um Unterkunft für die Nacht.
Im Laufe des Abends kam das Gespräch auf den großen Wunsch des Ehepaares. Der Fremde versprach, ihnen zu helfen. Nur müssten sie ihm versprechen, dass nach 20 Jahren das Kind für drei Tage ihm gehören sollte.
Die zwei Leutchen, die nicht wussten, wer der Besucher war, die ihrem Herzenswunsch aber nicht widerstehen konnten, versprachen ihm alles.

Der Jäger aber war kein anderer als der Teufel und in den verlangten drei Tagen wollte er die Seele des Kindes für sich gewinnen.

Bald darauf bekamen die Leute einen Jungen. Der wuchs gesund und kräftig heran und lernte fleißig und gut. Da den Eltern das Glück zur Seite stand, konnten sie den Jungen auf die Lateinschule schicken, denn er wollte Priester werden. Wirklich erhielt er die Priesterweihe. Er sollte seine erste Stelle als Kaplan in einem kleinen, abgelegenen Bergwalddörfchen antreten. Sowie er aber das Portal des Hohen Domes verließ, erwartete ihn davor ein fremder Mann, der sich ihm als der Teufel zu erkennen gab. Er wies ihm den Vertrag vor, den seine Eltern einst unterschrieben hatten. Damit wollte er ihn zwingen, mit ihm zu gehen.
Vor Schreck und Angst sank der junge Priester bewusstlos zu Boden. Als er wieder zu sich kam, befand er sich in dem vornehmen Raum eines großen Schlosses. Vor dem Bette saßen drei große Katzen, die ihn mit traurigen Augen unverwandt anblickten.
Das Schloss gehörte dem Versucher. Der erschien in der Nacht bei ihm im Zimmer und versuchte durch Versprechungen, Bitten und Drohungen, ihn dazu zu bringen, dass er ihm seine Seele verschreibe. Die erste Nacht quälte er ihn eine halbe Stunde, die zweite Nacht eine ganze Stunde und in der dritten Nacht gar zwei Stunden. Als aber der junge Kaplan trotzdem nicht gewillt war, seine Seele dem Teufel zu überlassen, wurde dieser zornig, packte ihn und warf ihn in hohem Bogen aus dem Fenster. Ohnmächtig blieb der junge Priester vor den Mauern des Schlosses liegen.

Als er nach vielen Stunden wieder zu sich kam, lag er vor dem Eingang des Kirchleins, das er im Auftrage seines Bischofs betreuen sollte. Drei Nonnen - es waren die erlösten Katzen - knieten neben ihm und dankten Gott für ihre und seine Erlösung.

Der junge Kaplan wurde in Zukunft vom Teufel nie mehr belästigt. Denn durch seine Standhaftigkeit hatte dieser die Macht, die ihm der Vertrag gegeben hatte, verloren.

Die Rockenstube

Einmal hatte eines der Mädchen ihren Spinnrocken vergessen und eilte nach Hause um ihn zu holen.
Einer der Burschen wollte sie auf dem Wege erschrecken. Er stülpte sich einen alten Kartoffelsack über den Kopf und versteckte sich neben dem Pfad. Als das Mädchen wieder den Weg entlang kam, hüpfte der Vermummte auf sie zu. Das Mädchen aber lief nicht weg, sondern packte ihren Rocken fester und schlug damit kräftig auf das hüpfende Ding ein.

Das blieb tatsächlich gleich ruhig liegen. Das Mädchen ging weiter zur Rockenstube.
Erst am nächsten Morgen fand man den Burschen am Wegerand tot auf. Er hatte den Sack noch über den Kopf gezogen. Die junge Maid hatte ihren eigenen Bräutigam erschlagen.

Ein Gedenkstein am Eingang zur heutigen Lindenstraße erinnert an dieses unselige Ereignis.

Das Sühnekreuz
Sühnekreuz

Zum Gedenken an ein schreckliches Unglück, das sich vor langer Zeit ereignet haben soll, stehen in der Erlanger Straße beim Anwesen Hendel Sühnekreuz und Steinmarter. Folgende Geschichte wird darüber erzählt.

Zwei Metzger waren sich aus Geschäftsneid seit Jahren spinnefeind. Sie hatten, ohne daß sie voneinander wußten, am gleichen Tage in Röttenbach Schlachtvieh eingekauft. Gegen abend wollten beide nach Hause gehen. Wie es der Zufall wollte, begegneten sie sich am Dorfende.

Es kam sofort zu einem lauten Streit zwischen beiden, der bald zu einer üblen Schlägerei ausartete. Schließlich zogen beide ihre langen Schlachtermesser aus dem Stiefelschaft und gingen damit aufeinander los. So sehr waren sie ineinander verbissen, daß der Streit erst ein Ende fand, als beide zu Tode verwundet niedersanken.


Röttenbacher Glockengeläut

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